Warum lösen sich Feuchttücher nicht auf?
Toilettenpapier besteht aus kurzen Fasern, die im Wasser nach kurzer Zeit auseinanderfallen. Feuchttücher sind dagegen auf Reißfestigkeit ausgelegt: Sie sollen nass bleiben und nicht zerfallen. Genau diese Eigenschaft wird im Abwasserrohr zum Problem. Das erklärt, warum ein einzelnes Tuch Wochen später noch im Rohr hängen kann.
Selbst Tücher mit der Aufschrift „spülbar“ brauchen weit länger, um zu zerfallen, als der Weg bis zur Kläranlage dauert. Die Zeit im Rohr reicht dafür nicht aus. Bildet sich ein Pfropfen aus Fasern und Fett, stammen die Fasern deshalb oft von solchen Tüchern.
Wie bilden Tücher einen Pfropfen?
Ein einzelnes Tuch gleitet oft durch den Bogen. An Muffen, Rohrversätzen oder Ablagerungen bleibt es aber hängen. Das nächste Tuch verhakt sich daran, dazu kommen Papier, Haare und Fett. So wächst nach und nach ein Zopf, der den Querschnitt verschließt. Aus einem kleinen Hindernis wird so ein ausgewachsener Pfropfen.
Je länger das Rohr, desto mehr Gelegenheit zum Hängenbleiben. Besonders anfällig sind alte Gussrohre mit rauer Innenfläche und Leitungen mit wenig Gefälle. In alten Gussrohren im Altbau finden Tücher an Krusten und Muffen besonders viel Halt.
Fuchsregel für das WC
- In die Toilette gehört nur Papier, jeder andere Abfall in den Restmüll.
- Eimer mit Deckel neben der Toilette bereitstellen.
- Auch als spülbar beworbene Tücher nicht spülen.
- Kinder und Gäste kurz auf die Regel hinweisen.
- Bei Hebeanlage besonders streng auf Fremdkörper achten.
Was richten Tücher in Pumpen an?
Besonders heikel sind Tücher dort, wo eine Pumpe Abwasser nach oben fördert. In der Hebeanlage wickeln sie sich um das Laufrad, bremsen es aus und lassen den Motor überhitzen. Die Anlage meldet dann eine Störung oder fällt aus.
Was gehört stattdessen wohin?
Feuchttücher, Wattepads, Wattestäbchen, Hygieneartikel und Kosmetiktücher gehören in den Restmüll.
Ein kleiner Eimer mit Deckel neben der Toilette macht das einfach. Auch Kondome, Zahnseide und Katzenstreu haben im WC nichts verloren. Das gilt auch für Gästebäder, in denen niemand die Regeln kennt.
Was tun, wenn schon ein Pfropfen sitzt?
Spülen Sie nicht weiter und versuchen Sie es vorsichtig mit der Saugglocke. Mit welchem Dreh die Saugglocke richtig benutzen gelingt, hängt am dichten Sitz. Gegen verfilzte Tücher hat sie oft nur begrenzte Wirkung, denn der Zopf sitzt fest.
Wenn das Wasser steigt oder nichts abläuft, hören Sie auf. Verwenden Sie keine chemischen Rohrreiniger. Ein Fachbetrieb löst solche Pfropfen mit der Rohrreinigungsmaschine und prüft danach per Kamera, ob die Leitung frei ist. Notieren Sie vorher, was gespült wurde.
